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Dienstag, 9. März 2021

Angela Merkel - Meisterin der Alternativlosigkeit

Wäre Angela Merkel Physikerin geworden, hätte sie auch Erfolg haben können aber nicht so viel Schaden angerichtet, wie nun als Kanzlerin über all die Jahre. Als Meisterin der Alternativlosigkeit führt sie den Kampf gegen den Virus und merkt nicht, wie sie dabei dasjenige opfert, was den Menschen ausmacht.

Sylvain Coiplet

Stichwort Angela Merkel


Mittwoch, 10. Februar 2021

Sind die Spielregel bei Mensch ärgere Dich nicht Rechtsleben?

Es stimmt, dass man bei den meisten Gesellschaftsspielen Rechtsleben spielt. Nur ist das gerade das Problem. Man wird darauf getrimmt, sich gedanklich nur im Rechtsleben zu bewegen. Würde man auch mal Geistesleben und Wirtschaftsleben spielen, wäre man vielleicht schon weiter.

Was meint man aber unter Regeln und Abmachungen? Gesetze sind allgemeine Wenn-Dann-Regeln. Das sind aber nicht alle Regeln und Abmachungen.

Verträge sind konkrete Leistungen und Gegenleistungen. Es sind also Abmachungen (bzw. Vereinbarungen).

Zählt man alle Abmachungen zum Rechtsleben, dann bringt man das Wirtschaftsleben um die Verträge, und damit um jeden Kauf und Verkauf. Was bleibt dann vom Wirtschaftsleben übrig? Meistens bloss eine Finanzierung, ein Mittel zum geistigen oder politischen Zweck oder, wenn es hoch kommt, eine innere Haltung, eine völlig bodenlose Brüderlichkeit.

Sucht man nach den eigenen Regeln des Wirtschaftslebens, dann könnte man darauf kommen, dass gegenseitiges Vorteil eine dieser Regel wäre. Gegenseitiges Vorteil ist aber gerade bei Gesellschaftsspielen nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme. Zu diesen Ausnahmen gehört das Geldspiel von Alexander Caspar. Deswegen habe ich dieses Spiel inzwischen in mein Grundlagenseminar zur sozialen Dreigliederung integriert.

Das reicht erstmal, um zu zeigen, wie problematisch die Behauptung ist, dass Regeln und Abmachungen Rechtsleben sind. Bei Interesse, könnte man untersuchen, ob nicht auch das Geistesleben seine Abmachungen hat.

Sylvain Coiplet


Donnerstag, 12. November 2015

Was heisst Demokratie ?

Wie oft habe ich mir von Leuten, die sich zur sozialen Dreigliederung bekennen, anhören müssen, dass man nur über die direkte Demokratie zur sozialen Dreigliederung kommen kann ! Als ob die Schweizer mit ihren Volksentscheiden hier den anderen irgendwas voraus hätten.

Nicht umsonst heisst es bei demjenigen, der als erster versucht hat, Schweizern die soziale Dreigliederung zu erklären:
«Eigentlich verstehen gerade von wirklicher Demokratie die Schweizer am allerallerwenigsten. [...] Da haben wir es überall zu tun mit einer in ihren eigentlichen Ausgestaltungen unmöglichen, scheinbaren Demokratisierung des geistigen Lebens und mit einer Demokratisierung des Wirtschaftslebens, und damit, daß die Leute glauben, dieses scheinbar demokratisierte Gemisch von Geistesleben und Wirtschaftsleben, das wäre eine Demokratie.» Rudolf Steiner, 14.10.1921, GA 339

Zugegeben, es ist leichter, Propaganda für die direkte Demokratie zu machen, als auch nur ansatzweise bei sich selber und bei anderen Verständnis für die Notwendigkeit einer sozialen Dreigliederung zu schaffen. Aber wenn man schon so bequem ist, könnte man auch genauso gut das Reden von der sozialen Dreigliederung ganz sein lassen.

Steiner hat einen anderen Schluss gezogen. Gerade weil die Schweizer am allerallerwenigsten von wirklicher Demokratie verstanden haben, hielt er es für besonders notwendig, ihnen «den Begriff des Rechts und der Gleichheit der Menschen» zu erörtern.

Dazu würde es nicht nur gehören, zu klären, was nicht demokratisch entschieden werden kann, sondern auch, was eigentlich demokratisch entschieden werden müsste, es aber heute noch nicht wird, weil man das Recht und die Gleichheit der Menschen nicht ernst nimmt.

Das klingt vielleicht paradox, aber ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass manche Bekenner der sozialen Dreigliederung nur deswegen so viel wert auf direkte Demokratie legen, weil sie gerade von Recht nichts verstehen. Sie hätten sonst wie Steiner den Schwerpunkt auf ein demokratischeres Arbeitsrecht gesetzt, statt so viel Zeit damit zu verspielen, nach dem perfekten demokratischen Abstimmungsverfahren zu suchen. Dieses Versäumnis hat sie anfällig für die Versprechen der Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens gemacht. Sie würden sonst alle merken, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen in der letzten Konsequenz zu einer Entdemokratisierung führt. Ein solches Grundeinkommen bringt die Demokratie um eine ihrer zentralsten Aufgaben: die gerechte Verteilung der Arbeit in unserer industrialisierten Zeit.


Sylvain Coiplet

Weiterführende Links :

Sylvain Coiplet

Eine Kontroverse zwischen Sylvain Coiplet, Rainer Rappmann und Wilfried Heidt

Freitag, 26. September 2014

Wer ist der Feind ?

Der Feind ist nicht der Westen, und auch nicht der Osten, sondern die Art, wie sie heute zusammenwirken.

Sylvain Coiplet


Mittwoch, 27. November 2013

Marc Desaules und das bedingungslose Grundeinkommen

Marc Desaules hat in einem lesenswerten Aufsatz darauf hingewiesen, daß die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen von der Frage ablenkt, wie wir zu richtigen Preisen kommen könnten. Nämlich zu Preisen, von denen alle wirklich leben könnten. Marc Desaules geht aber in seinem Aufsatz zusätzlich auf die Frage einer gerechten Verteilung der Arbeit ein. Will man auf das Problematische am bedingungslosen Grundeinkommen hinweisen, kommt man in der Tat nicht umhin, die beiden Themen zu verbinden.

Stattdessen versucht Benediktus Hardorp in einer Replik auf Marc Desaules zu argumentieren, daß sich ein bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Streben nach richtigen Preisen verträgt. Man brauche beides nicht gegeneinander auszuspielen. Viel sinnvoller sei es, nach dem Verbindenden zu suchen.

Nach diesem Verbindenden sucht man in dem Aufsatz von Benediktus Hardorp allerdings vergeblich. Um wirklich zu verstehen, was er sagen will, muß man schon auf seinen längeren Aufsatz von 1984 zur Arbeitslosigkeit zurückgreifen. Dort ist noch kein Wort von einem bedingungslosen Grundeinkommen. Dafür wird die Frage der richtigen Preise ausführlich behandelt. Aber die Frage einer gerechten Verteilung der Arbeit wird schon damals völlig ausgeblendet. Und gerade deswegen, weil Benediktus Hardorp immer versucht hat, das Problem der Einkommensverteilung für sich allein zu lösen, ist er später auf die illusorische Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens hereingefallen.

Marc Desaules
Der richtige Preis anstelle des bedingungslosen Grundeinkommens (7/2013)

Benediktus Hardorp
Grundeinkommen und richtiger Preis (10/2013)
Trennung von Arbeit und Einkommen? (1984)

Sylvain Coiplet

Sonntag, 20. Oktober 2013

Ist die soziale Dreigliederung noch modern ?


Immer wieder werde ich gefragt, ob die soziale Dreigliederung noch modern ist.

Die soziale Dreigliederung ist nämlich vor fast 100 Jahren von Rudolf Steiner als eine Lebensnotwendigkeit der Gegenwart und Zukunft dargestellt worden. Gehört sie aber nicht inzwischen schon der Vergangenheit ?

Gute Frage eigentlich. Nur schade, wenn die Frage bloß dazu dient, zu verstecken, daß die soziale Dreigliederung einem zu modern ist - und man selber mit seinen sozialen Anschauungen der Vergangenheit gehört.

Sylvain Coiplet

Mittwoch, 7. November 2012

Die Kunst, die falschen Fragen zu stellen

Götz Werner oder die Kunst, die falschen Fragen zu stellen:

«Was würden Sie machen, wenn Sie nicht mehr Ihr Geld verdienen müßten?»

Hat man diese Frage beantwortet, kann man sich dann nur noch mit Hartz IV zufrieden geben oder von einem echten bedingungslosen Grundeinkommen träumen, um dasjenige machen zu können, was man wirklich machen möchte. Die Frage ist aber eine falsche Frage, oder was oft noch schlimmer ist, sie ist nur die halbe Wahrheit. Eine halbherzige Frage, dem der Mut zum Leben fehlt.

Die eigentliche Frage ist:
«Wie kann ich genug Menschen davon überzeugen, daß ich wirklich meine Aufgabe gefunden habe?»

Sylvain Coiplet

Samstag, 28. Juli 2012

Was ist eine Einrichtung ?


Was ist eine Einrichtung ?
Eine Einrichtung ist eine Richtung unter mehreren.
Genauer gesagt unter drei Richtungen.

Eine Einrichtung ist also kein Organismus, sondern bloß ein Organ. Wer mehr aus einer Einrichtung machen will, arbeitet gegen den eigentlichen sozialen Organismus. Er versucht aus der Einrichtung selber dasjenige zu holen, was sie nur von anderen Einrichtungen erhalten kann. Er redet von Ganzheit und landet beim Totalitarismus.

Sylvain Coiplet

Donnerstag, 5. Juli 2012

Capvis und hessnatur

Jetzt ist es amtlich, Capvis hat hessnatur geschluckt. Wieviel der angebliche Schweizer Finanzinvestor mit Hauptsitz auf Jersey für hessnatur bezahlt hat, bleibt weiterhin geheim. Klar ist nur, dass sie mit hessnatur, beziehungsweise mit den Kunden von hessnatur, wenigstens 2,8 Millionen Euro im Jahr verdienen wollen.

Jetzt können die Konsumenten dafür sorgen, dass die Geldmacher von Capvis mit ihnen nichts verdienen. Auf ihrer Webseite wir-sind-die-konsumenten.de haben schon über 2500 Kunden klar gemacht, dass sie erst wieder bei hessnatur einkaufen, wenn die Firma in die Hände ihrer Belegschaft und Kunden kommt. Und sie machen auch damit Ernst. Nicht von ungefähr soll hessnatur seit der Ankündigung einer Übernahme durch Capvis einen Umsatzeinbruch von über 13% verzeichnen.

Die Konsumenten haben sich zum Ziel gemacht, 10.000 Kunden von hessnatur zu erreichen. Und alles deutet darauf hin, dass es für Capvis nach der Sommerpause sehr eng wird. Wenn sie nicht 2,8 Millionen Euro Verlust im Jahr machen wollen, werden sie hessnatur noch schneller herausspucken müssen, als sie es ohnehin vorhaben. Allerdings nicht gewinnbringend, sondern zu dem Preis, den hessnatur dann auf dem Markt haben wird, nämlich keinen.

Vielleicht verstehen dann nicht nur die Leute von Capvis, dass Unternehmen in der Zukunft keine Waren mehr sein können. Und dass, wer das nicht versteht, wohl selber keine Zukunft hat.

Sylvain Coiplet

Donnerstag, 1. März 2012

Die königliche Kunst wird eine soziale Kunst sein


"Die königliche Kunst wird in der Zukunft eine soziale Kunst sein." 
Rudolf Steiner, 1906

Das wird Joseph Beuys nicht gefallen, aber hier - wie oft bei Rudolf Steiner vor der Novemberrevolution 1918 - steht "sozial" schon wieder für "wirtschaftlich". Daraus folgt natürlich nicht, daß soziale Dreigliederer sich nur um das Wirtschaftsleben kümmern sollen. Aber bei der Fähigkeit, das Lebendige zu gestalten, handelt es sich wohl um die Imagination. Und die Imagination ist es, die gebraucht wird, um das Wirtschaftsleben zu gestalten. Es soll genauso wenig gewartet werden, sich an das Wirtschaftsleben zu machen, wie die Direktdemokraten gewartet haben, sich an das Rechtsleben zu machen.

Das war jetzt an Joseph Beuys gerichtet.

Die meisten anderen Anthroposophen muß man sowohl an das Wirtschaftsleben wie an das Rechtsleben erinnern. Wohl fühlen sie sich nämlich nur im Geistesleben. Und gerade darin zeigen sie, daß sie nicht einmal dieses Geistesleben haben.

Sylvain Coiplet

N'en déplaise à Beuys, le social dont parle ici Steiner, c'est d'abord l'économique ...

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Wie kann der Mensch sich selber regieren?

Jede Regierung muss daran scheitern, dass sie sich für die Regierung hält, weil dann regiert früher oder später das Geld.

Wie kann sich der Mensch selber regieren ?

Es würde schon helfen, wenn er sich für einen Menschen halten würde. Aber noch besser wäre, wenn er sich einmal durchschauen würde. Sonst machen das andere, die ihn dann umso leichter regieren können.

Mensch, es sind drei Menschen in dir !
Mach was aus ihnen !

Sylvain Coiplet

Montag, 28. November 2011

Roland Benedikter und seine neuen Medien

Schon wieder ein Artikel von Roland Benedikter, das zeigt, dass er - trotz seiner Professur - die Grundbegriffe der sozialen Dreigliederung immer noch nicht verstanden hat. Wie sonst könnte er behaupten, dass die soziale Dreigliederung heute zu einer Sechsgliederung erweitert werden muss ? Wer nicht weiss, wie Religion, Technologie und Demographie in die soziale Dreigliederung einzuordnen sind, der weiss auch nicht, was Rudolf Steiner unter Wirtschaftsleben, Rechtsleben und Geistesleben verstanden hat.

So heisst es bei Roland Benedikter im besten Soziologendeutsch:

"Eine zentrale, für die Zukunft offener Gesellschaften voraussichtlich mit ausschlaggebende Frage lautet: Bewirken diese neuen Medien. Dass sich gesellschaftliche Geltungsgrenzen (Jürgen Habermas, Karl-Otto Apel) zwischen den (in Bezug auf Rudolf Steiners "Dreigliederung" für die Gegenwart offener, demokratischer Gesellschaften notwendigerweise auf eine "Sechsgliederung" hin erweiterten) grundlegenden Systemlogiken und Diskurstypologien: 1) Wirtschaft, 2) Politik, 3) Kultur, 4) Religion, 5) Technologie und 6) Demographie wechselseitig autonomisieren und in Richtung auf eine größere Variabilität, Mehrdimensionalität und Pluralismus befreien, wie es offene, demokratisch ausdifferenzierte Gesellschaften der Moderne verlangen? Oder wirken sie im Gegenteil eher "unitarisierend", homogenisierend und nivellierend zwischen diesen Sphären und Diskursformationen?"

Bei aller Freude, dass Rudolf Steiner neben Jürgen Habermas & Co in die Diskussion kommt: Die Sechsgliederung von Roland Benedikter ist keine Erweiterung der sozialen Dreigliederung, sondern eine Todgeburt. Mit so einem akademischen Konstrukt lässt sich trefflich über die neuen Medien philosophieren. Wenn es aber darum geht, die Gesellschaft für den heutigen Menschen gestaltbar zu machen, muss sie versagen.

Um nur ein Beispiel zu nehmen. Was verstehen Soziologen unter Kultur ?

Johannes Heinrichs und Michael Opielka verstehen unter Kultur dasjenige, was tradierbar ist, was zur Tradition werden kann. Roland Benedikter ist da skeptisch, bleibt aber selber bei der Frage stecken, ob die neuen Medien von sich aus zum passiven Konsum oder zum aktiven Gebrauch von Kultur führen.

Rudolf Steiner spricht gerne über alte Kulturen, wenn er aber über dasjenige spricht, was heute nötig ist, dann spricht er mit Absicht nicht von Kultur, sondern von Geistesleben. Damit meint er die innere Aktivität, die individuelle Freiheit. In dieser Hinsicht braucht man nicht zwischen Kultur und Religion zu unterscheiden, wie es Roland Benedikter tut. Rudolf Steiner beschränkt sich eben auf das Wesentliche. Dadurch ist es ihm auch möglich, konkrete Anregungen zu geben, wie die Gesellschaft für die individuelle Freiheit durchlässig gemacht werden kann.

Diese Anregungen zum praktischen Gebrauch der individuellen Freiheit sind es, die bei Roland Benedikter fehlen. Er ist selber so gelähmt durch seine vielen unbrauchbaren Begriffe, dass er nicht aus der Beobachterrolle herauskommt. Er hat Angst vor den letzten Wahrheiten, schafft es aber nicht einmal zu den ersten Wahrheiten.

Vielleicht wird es erst etwas, wenn Roland Benedikter in Rente geht und nicht mehr beweisen muss, dass er das Zeug zum Professoren hat. Vielleicht findet er dann die Zeit, sich in die Grundlagen der sozialen Dreigliederung einzuarbeiten und anschliessend am Beispiel der neuen Medien zu zeigen, was noch zu tun ist, damit der Mensch sich zum Akteur machen kann.

Roland Benedikter - Neue Medien?
http://www.heise.de/tp/artikel/35/35925/1.html


Montag, 31. Oktober 2011

Seiner Zeit höchstens 5 Jahre voraus sein


Wer das Geistesleben wachrütteln will, der darf ruhig seiner Zeit 500 Jahre voraus sein. Nur kann es sein, dass er einen guten Übersetzer braucht.

Wer auf das Wirtschaftsleben wirken will, tut dagegen besser, seiner Zeit höchstens 5 Jahre voraus zu sein. Da lässt sich besser in die Breite gehen.

Sylvain Coiplet

Freitag, 15. Juli 2011

Was wäre Peter Bierl ohne Anthroposophie ?

Peter Bierl hat der Anthroposophie viel zu verdanken. Ohne die zum Teil recht naiven Gegner der Anthroposophie hätte er es nämlich nicht so weit gebracht. Wer würde sich sonst für einen verbissenen Ökolinken interessieren, der alle - außer sich und vielleicht noch seine Mentorin Jutta Dittfurth - für Faschisten hält ? Wenn überhaupt, ist Peter Bierl nur durch seine Anthroposophie-Kritik bekannt geworden.

Wer Angst vor der Anthroposophie hat, aber Rudolf Steiner nicht selber lesen will, ist doch dankbar, Peter Bierl zitieren zu können ohne selber nachschauen zu müssen. Die Ansteckungsgefahr ist doch zu groß. So groß, dass auch Peter Bierl selber ganz sicher kein einziges Buch von Rudolf Steiner gelesen hat.

Egal, man beruft sich auf Peter Bierl, um der Anthroposophie Rassismus unterstellen zu können, ohne den Sachverhalt selber nachprüfen zu müssen. Damit hat die eigene Weltanschauung schon bessere Karten.

Dass die Rechnung nicht immer aufgeht, haben die Freunde vom humanistischen Pressedienst am eigenen Leib erfahren müssen. Dort wurde ein Artikel von Anna Ignatius zum Berliner Aktionstag "Anthroposophie erleben" aufgenommen. Interessanterweise wurde der Artikel am 27.06.2011 um 10:38 Uhr aufgenommen, also noch bevor die eigentliche Veranstaltung angefangen hatte. Es waren noch nicht einmal alle Stände aufgebaut. So eilig hatte es Anna Ignatius wieder wegzukommen! In ihrem Artikel wird anhand von lauter Bierl-Thesen vor der Gefahr gewarnt, die Anthroposophie selber zu erleben. Selber beigesteuert hat die Autorin nicht einmal die Fotos. Dafür sind diese Fotos auch das Beste am Artikel.

Nicht ganz mitgekriegt scheint die Autorin Anna Ignatius, dass sich Peter Bierl inzwischen auch an den Humanisten vergangen hat - mit denselben Methoden, die für seine Anthroposophie-Kritik kennzeichnend sind. So kommt der Kollege von Anna Ignatius, Gunnar Schedel beim selben humanistischen Pressedienst in seiner Replik auf Peter Bierl mit dem Titel "Verleumdung als Methode" zu dem Schluss :

"Diese Liste fragwürdiger Einschätzungen, offensichtlich bewusst verdrehter Darstellung, manipulativ wiedergegebener Zitate und selbst falscher Tatsachenbehauptungen ließe sich fortsetzen und um weitere Punkte ergänzen. Insbesondere mit der differenzierten Darstellung von Personen und Organisationen hat Bierl seine Schwierigkeiten [...] Bierl hat viele Artikel in einer Regionalausgabe einer großen süddeutschen Tageszeitung veröffentlicht; er müsste wissen, welche journalistischen Standards unabdingbar sind. Viel wahrscheinlicher ist es, dass der Mann ganz genau weiß, was er tut und seine Verleumdungen als rhetorische Strategie einsetzt, nach dem Motto "Irgendwas wird schon hängenbleiben"."

Nichts ersetzt in dieser Welt das Suchen nach einem eigenen Urteil. Wer irgendjemanden, auch Peter Bierl, zur Bibel erhebt, kann sich ganz schön blamieren und dem Vorurteil statt der Wahrheit dienen.

Von Peter Bierl gibt es immerhin einen netten Spruch, der sinngemäß heißt : "Wer Rudolf Steiner liest, hat Schmerzensgeld verdient". Nach über 25 Jahren intensiver Beschäftigung mit Rudolf Steiner stimme ich zu, dass viele der Einsichten, die ich daraus gewonnen habe, recht schmerzhaft sind. Wie etwa die Einsicht, dass es nicht möglich ist, wirksam gegen den Rassismus zu kämpfen, ohne selber in den Augen mancher seiner Mitmenschen als einen Rassisten zu erscheinen. Solche Einsicht sucht man bei Peter Bierl vergebens.

Ich werde daher den Verdacht nicht los, dass Peter Bierl sozusagen Versicherungsbetrug übt, wenn er nach Schmerzensgeld für seine angebliche Steiner-Lektüre verlangt - und auch noch bekommt. Die Anthroposophie ist nämlich für Peter Bierl vor allem eins gewesen : ein einträgliches Geschäft. Dass man als Ökolinker kaum sein Brot verdienen kann, werden nun andere schmerzhaft erleben müssen.

Sylvain Coiplet



Weiterführende Quellen:

Peter Bierl - Verleumdung als Methode (humanistischer Pressedienst, 2011)
Eine recht gute Analyse des Schreibstils von Peter Bierl.

Donnerstag, 21. April 2011

Dreigliederer und soziales Urphänomen

Das soziale Urphänomen gibt es nicht nur im Denken.
Das Denken steht aber im Fokus unserer Zeit - als Wachmacher.
Es gibt also gute Gründe, sich erst einmal auf diesen Aspekt des sozialen Urphänomens zu konzentrieren.

Und was ist nun die Bilanz dieser Beschäftigung mit dem sozialen Urphänomen?

Bei den einen wurde sie zum Vorwand, sich selber um Inhalte zu drücken, um unbefangen zuhören zu können. Bei den anderen wurde sie dagegen zum Vorwand, sich mit anderen Interpretationen der sozialen Dreigliederung lieber nicht auseinanderzusetzen, um die eigene - mühsam zusammengebastelte - Interpretation ja nicht zu gefährden.

Das heißt :

Die einen meinen, keine Dreigliederer sein zu dürfen, um sozial zu bleiben.
Die anderen halten sich für Dreigliederer, wurden aber zu antisozialen Dreigliederern.

Sylvain Coiplet

Freitag, 4. März 2011

Hans-Peter Friedrich gehört nicht zu Deutschland

Kaum ernannt und schon hetzt Hans-Peter Friedrich, der neue Innenminister, gegen Minderheiten. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, heißt es gleich. Und so jemand ist angeblich für die innere Sicherheit zuständig ! Er weiß genau, daß er im Namen einer Partei spricht, die für sich beansprucht, christlich zu sein. Alles was man dem Islam vorwerfen könnte, nämlich die Vermengung von religiösen Fragen mit der Staatsmacht, das gilt zu allererst für christliche Innenminister wie Hans-Peter Friedrich, die ihr Amt mißbrauchen, um ihre Religion gegen andere zu bevorzugen. Mit dieser Verlogenheit trägt Hans-Peter Friedrich nur sein Teil dazu bei, daß der Terrorismus zu Deutschland gehört.

Darüber können sich nur diejenigen hinwegtäuschen, denen alle Mittel recht sind, um den Status-Quo zu retten. Zur Zukunftsfähigkeit der Freiheit, nicht nur der religiösen Freiheit, gehört aber mehr als nur von sich selbst überzeugt zu sein. Die Freiheit muß ansteckend werden. Sie muß auch diejenigen überzeugen können, die bisher Angst vor ihr haben. Dazu reicht die bloße Toleranz nicht aus. Es braucht noch eine ausreichende Kenntnis der spezifischen Hindernisse, welche jede einzelne Religion ihren Angehörigen auf den Weg zur Freiheit legt. Nur dann kann der Dialog zu einer gegenseitigen Förderung der Freiheit führen.

Was heißt : «Der Islam gehöre nicht zu Deutschland» ? Im Mund eines Hans-Peter Friedrich heißt es : «Von Deutschland habe ich keine Ahnung. Von Goethe und seinem West-Östlichen Diwan habe ich nie was gehört, geschweige denn gelernt. Ich gehöre selber der Vorzeit. Wer aber nicht so denkt wie ich und meine Religion, der gehört nicht zu Deutschland.»

Zu Deutschland gehören alle Religionen. Wer aber wie Hans-Peter Friedrich zu einer Religion gehört und sie über die Politik seinen Mitmenschen aufzwingen will, der gehört nicht zu Deutschland. Er gehört vielmehr zu demjenigen, was überwunden werden muß, damit aus Deutschland etwas wird.

Sylvain Coiplet

Dienstag, 9. November 2010

Die Welt nicht einfacher machen als sie ist

Bei dem Ansatz einer sozialen Dreigliederung geht es darum,
Die Welt nicht dadurch kaputt zu machen,
Daß man immer wieder versucht,
Sie einfacher zu machen als sie ist.

Sylvain Coiplet

Ist Peter Bierl ein Rassist ?

Peter Bierl ist nach der eigenen Definition ein Rassist.

Peter Bierl weiß genau,
Dass es Rudolf Steiner mit der Anthroposophie auch darum geht,
Den Rassismus zu überwinden.
Nur kann er die Art,
Wie die Anthroposophie den Rassismus überwindet,
Nicht anerkennen.

Dies reicht Peter Bierl, um zu behaupten :
Rudolf Steiner sei ein Rassist.

Nun will ich selber auch den Rassismus überwinden.
Ich kann aber die Art, wie Peter Bierl versucht,
Den Rassismus zu überwinden, nicht anerkennen.

Halte ich mich an seine eigene Definition, darf ich also folgern :
Peter Bierl ist ein Rassist.

Sylvain Coiplet

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Zentralisierung der Wirtschaft durch den Staat

Die Tendenz zur Konzentration, zur Monopolbildung,
Wird oft für eine Eigentendenz der Wirtschaft gehalten.
Könnte es sein, dass es so gar nicht stimmt,
Dass dieser Hang zur Zentralisierung
Keine wirtschaftliche Ursache hat,
Sondern erst dann entsteht,
Wenn der Staat falsch auf die Wirtschaft einwirkt ?

Ein Beispiel sind die vielen Monopole,
Die früher durch die Staaten vergeben worden sind.
Später waren es die Staatsbetriebe,
Die oft auch Monopolbetriebe waren.
Inzwischen gibt es aber sogar Gesetze,
Die eine Monopolbildung verhindern sollen.
Hat sich aber dadurch wirklich etwas geändert ?

Am Prinzip eigentlich nichts.

Nur ein Beispiel, das besonders in letzter Zeit
Diesen Zusammenhang deutlich gemacht hat :

Konzerne haben allein durch ihre Größe
Eine Art Bestandsgarantie.
Politiker müssen ihnen im Notfall helfen.
Da ist nicht einmal Lobby-Arbeit nötig.
Das Druckmittel sind die Arbeitsplätze.
Gehen zu viele auf einmal verloren,
Können Politiker abgewählt werden.

Diese staatliche Garantie fördert die Zentralisierung der Wirtschaft.
Konzerne können sich von der Realität abkoppeln,
Weil sie im Notfall gerettet werden müssen.
Was der Einzelne als Konsument nicht hergeben würde,
Gibt er als Wähler und Steuerzahler her.

Sylvain Coiplet

Dienstag, 24. September 2002

Die Einheitsküche

Stell dir mal vor, man würde die Küche auf dasjenige reduzieren,
Was bei allen Völkern gleich ist.
Da würde außer Langeweile nicht viel übrig bleiben.

Nach so vielen Kriegen schwärmen aber manche
Bezüglich der Religionen von einer solchen Einheitskost.
Sie kommen nicht auf die Idee, daß man sich, wie bei der Küche,
Von jeder Religion das Beste aussuchen sollte.

Sylvain Coiplet